Montag, 24. April 2017

Auf welche Quellen bauen wir biblische Lehre?

Bevor wir uns im nächsten Teil dann – endlich – den ersten richtigen Argumenten widmen werden, muss ich heute noch zwei Dinge ansprechen, die wichtig sind. Im ersten Teil wird es um die Quellen der Erkenntnis gehen, woher wir das Wissen um das Aufhören oder das Fortbestehen der Geistesgaben bekommen können, und wie wir mit diesen Erkenntnissen richtig umgehen. Im zweiten Teil werde ich das bisher Gesagte zusammenfassen und im selben Atemzug jeden Leser auffordern, seine eigene Position zu überdenken und sich klar zu werden, welche Argumente an ihn gehen und welche nicht. Aus zahlreichen dieser Diskussionen zum Thema ist mir immer wieder bewusst geworden, dass viele Menschen sich nicht so gerne festlegen. Dann werden Argumente immer sehr schwammig gebraucht. Es gibt so eine Art Argument-Hopping. Zu unserem Thema gibt es zahlreiche Argumente, welche sich aber gegenseitig in manchen Punkten widersprechen oder „beißen“. Deshalb sollte sich jeder, der in dieser Diskussion teilnehmen möchte, auf eine ganz bestimmte Position festnageln lassen. Erst dann wird es möglich, tatsächlich sinnvoll zu diskutieren. Alles übrige ist Schattenboxen. Nur mal ein Beispiel am Rande dazu: Es gibt die eine Sicht, welche besagt, dass die Prophetie ganz aufgehört hat. Dann gibt es die andere Sichtweise, dass die Prophetie nicht aufgehört hat, sondern transformiert wurde, und zwar entweder in die Predigt oder in eine Art Vorsehung, die aber keine Gabe ist. Hier muss sich jeder für eine Sichtweise entscheiden; entweder es hat etwas ganz aufgehört und ist nicht mehr existent, oder es wurde in etwas anderes verändert und existiert somit weiter. Allerdings ist es in einer sinnvollen Diskussion nicht legitim, zwischen diesen Sichtweisen hin- und herzuhüpfen, denn diese drei Sichtweisen widersprechen sich gegenseitig.

Nun genug der Vorrede; wir kommen zu den Quellen. Es gibt drei verschiedene Quellen, die auf verschiedenen Stufen stehen. Höchste Autorität hat für den Gläubigen die Bibel, weil sie ganz und gar Gottes Wort ist. Sie ist viel mehr als nur Gottes Wort zu den Leuten damals, die es aufgeschrieben haben; die Bibel ist Wort für Wort Gottes Wort an jeden Einzelnen von uns, der sich unter Gottes Autorität stellt, sprich: Für jeden einzelnen, der wahrhaftiger gläubiger Christ ist. Nun gibt es zwei andere Quellen, die nicht so autoritativ sind wie die Bibel, und das ist die Theologiegeschichte und unsere heutige Erfahrung. Beide stehen deutlich unter der Autorität der Bibel, wobei uns besonders auch die Theologiegeschichte als Korrektiv für unsere heutigen Erfahrungen dient. Leider gibt es immer wieder das Argument aus der Erfahrungstheologie, welches besagt, dass etwas, was heutzutage nicht mehr erlebt wird, deshalb nicht mehr existent oder nicht mehr von Gott gewollt ist. Das ist natürlich völliger Unsinn, denn damit wird unsere Erfahrung oder besser gesagt: Unser Mangel an Erfahrung über die Schrift gestellt. Wie gehen wir nun aber mit der Theologiegeschichte um?

Zunächst ist wichtig, dass wir uns bewusst sind, dass die Theologiegeschichte nicht unfehlbar ist. Dennoch ist sie sehr wichtig, denn viele der Fragen, die sich uns heute stellen, wurden auch früher schon gestellt. Menschen haben um Antworten gerungen und haben Dokumente verfasst, in welchen sie sich für bestimmte Positionen und gegen andere Positionen ausgesprochen haben. Das ist wertvoll. Dabei muss man jederzeit im Hinterkopf behalten, dass manchmal dieselbe Sache in verschiedenen Zeiten durchaus ganz unterschiedlich genannt werden konnte. Sehr oft werden jedoch Argumente aus der heutigen Erfahrung mit Bibelversen garniert, sodass ein Eindruck entsteht, es sei ein Argument aus der Bibel. Beispiel: „Man sieht heute keine Heilungen derselben Qualität wie zur Zeit Jesu, deshalb muss die Gabe der Heilung verschwunden sein.“ Diese Behauptung muss auf ziemlich vielen Ebenen geprüft werden: Wer ist „man“? Von welcher Qualität (und wer legt das fest?) waren die Heilungen Jesu und von welcher sind die heutigen? Wie lässt sich die Qualität einer Heilung empirisch quantifizieren? Wie wird diese Gabe definiert? Und so weiter. Es ergeben sich sehr viele offene Fragen, die dazu geklärt werden müssen. Die grundlegendste Frage wurde damit aber noch gar nicht angesprochen: Ist es überhaupt legitim, heutige Erfahrungen als Grundlage zu nehmen, um damit die Bibel zu kritisieren? Darauf werde ich in einem späteren Teil noch etwas ausführlicher eingehen. Worum es mir bisher geht, ist lediglich, zu zeigen, dass es immer sehr viele Fragen zu berücksichtigen gibt, und die Frage nach dem Umgang mit Quellen zu den grundlegenden Fragen gehört.

Ebenso muss man auch fragen, ob es einen Kanon im Kanon geben darf. Dazu führe ich als Beispiel den Umgang mit der Unterscheidung zwischen der Apostelgeschichte und den „Lehrbriefen“ des Neuen Testaments an. Häufig hört man so etwas wie: „Aus der Apostelgeschichte darf man keine Lehre ableiten, diese ist nur für die geschichtliche Information da. Lehren, die für uns gelten, müssen aus den Briefen des NT gezogen werden.“ Vertreter dieses Arguments versuchen aber zumeist, das Beispiel von Timotheus und seiner Berufung unter Handauflegung und Prophetie irgendwie so auszuhebeln, dass es auch wieder nichts für unsere Lehre zu sagen haben darf, obwohl das Wissen darum einzig aus den beiden Briefen an Timotheus (Pastoralbriefe, „Lehrbriefe“) stammen. So entsteht ein Kanon im Kanon, der vorgibt, was für die Lehre herangezogen werden darf und was nicht. So wird im Voraus eine Auswahl getroffen, was die Bibel uns heute zu sagen haben darf und was nicht. Das führt zur Eisegese (Hineinlesen von Informationen in die Bibel, die nicht da stehen) statt Exegese (Auslegung der Bibel).

Diese Vorüberlegungen möchte ich mit dem Appell zur Selbstprüfung abschließen: Jeder Leser möge sich selbst fragen, wo er („sie“ ist darin natürlich mit eingeschlossen) steht:
1) Glaube ich, dass bestimmte Geistesgaben bereits aufgehört haben sollen?
2) Wenn ja, welche sind das? Alle? Oder nur einzelne, bestimmte?
3) Wie definiere ich „Gnadengabe“? Lässt sich ihre Echtheit messen?
4) Gehe ich von einem vollständigen Aufhören oder von einem zeitlichen Ruhen oder einer Transformation dieser Gaben aus (zum Beispiel Prophetie wurde zur Predigt)?
5) Mache ich einen Unterschied zwischen „natürlichen“ und „übernatürlichen“ Gaben?
6) Glaube ich an heutiges übernatürliches Eingreifen Gottes, übernatürliche Gebetserhörungen oder ähnliches? Wenn ja, nenne ich das dann „Vorsehung“? Wie definiere ich „übernatürlich“? Sind Engel zum Beispiel natürliche oder übernatürliche Wesen?
7) Tendiere ich dazu, in der Bibel einen „Kanon im Kanon“ zu machen, indem ich nur bestimmte Aussagen für uns heute gültig sein lasse?
8) Woher stammt die Quelle meines Wissens? Wird sie a priori (rein aus der Bibel abgeleitet) oder a posteriori (durch die Erfahrung anderer oder die eigene Erfahrung) erhalten?

Dies sind die wichtigsten Fragen, die sich jeder im Voraus stellen sollte. Erst mit der ehrlichen Beantwortung dieser Fragen und auch mit der Möglichkeit, auf diese Antworten „festgenagelt“ werden zu können, ergibt sich eine fruchtbare Auseinandersetzung zum Thema. Die Fragen haben viel mit Definitionen zu tun, was gerade deshalb so wichtig ist, weil viele Missverständnisse auf schwammigen oder oftmals auch nichtvorhandenen Definitionen beruhen. Da sich der Leser nicht bei mir melden muss (aber natürlich darf), ist es notwendig, dass ich noch einmal betone, dass die weitere Selbstprüfung viel Disziplin notwendig macht. Jeder ist gefordert, sich selbst immer wieder zu prüfen, ob man mit den Argumenten ehrlich umgeht, oder nicht etwa doch versucht, zwischen den Definitionen zu hüpfen.


Sonntag, 23. April 2017

Buchtipp: C. S. Lewis für eine neue Generation

Strebel, Hanniel, C. S. Lewis für eine neue Generation, Folgen Verlag 2017, Amazon-Link

Dies ist der erste Band von Hanniel Strebels Buchserie über verschiedene Vorbilder des Glaubens des 20. Jahrhunderts. Clive Staples Lewis ist vor allem durch sein siebenbändiges Werk „Die Chroniken von Narnia“ bekannt. Lewis war eigentlich ein Literaturwissenschaftler, der Christ wurde, und versuchte, seinen starken Intellekt mit seiner Phantasie zu verknüpfen und daraus vor dem Hintergrund des biblischen Weltbildes neue Literatur zu erschaffen. Deshalb ist sein Lebenswerk auch so vielfältig, denn er fand sehr viele unterschiedliche Formen, um dies zu tun.

Hanniel Strebel stellt das Leben und Werk von C. S. Lewis sehr komprimiert vor, aber doch ausführlich genug, um alles Wichtige zu erwähnen. Zwischen den zwei biographischen Abschnitten im Buch führt Hanniel das Hauptelement von Lewis' Leben ein: Die Sehnsucht nach der Freude. Bereits im Kindesalter hatte Lewis ein Erlebnis, das ihn prägte: Eine unbeschreibliche Freude. Doch er merkte: Er konnte diese nicht selbst herstellen, sondern sie nur suchen; ab und zu wurde er von ihr überrascht. Später im Leben merkt Lewis, dass es eigentlich Jesus Christus war, den er suchte.

Da ich das Leben von Lewis und viele seiner Bücher bereits kannte, war für mich vor allem der letzte Abschnitt des Buches interessant: Lernfelder. Was können wir von C. S. Lewis' Leben für uns lernen? Was kann er uns für den Alltag mitgeben? Der wichtigste Punkt ist für Hanniel – und ich stimme ihm darin zu – dass Vernunft und Phantasie (Imagination) keine Gegensätze sind, sondern zusammen ein enorm kräftiges Werkzeug sind, das zu Gottes Ehre gebraucht werden kann, darf und soll. Ich möchte das Buch besonders für junge Menschen empfehlen, die Lewis besser kennenlernen möchten. Hanniel schafft es sehr gut, gerade diejenigen Details herauszuarbeiten, die noch nicht so weitherum bekannt sind.


Mittwoch, 19. April 2017

Warum mir als Continuationist Cessationisten wichtig sind

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin Continuationist. Ich glaube und erlebe immer wieder, dass die Gaben des Heiligen Geistes nach wie vor unverändert vorhanden sind. In späteren Blogposts werde ich zunächst auf die Quellen eingehen, woher man das Wissen darum nehmen kann und danach die verschiedenen Argumente beider Seiten unter die Lupe nehmen. Heute möchte ich jedoch eine etwas persönlichere Einführung machen und ein wenig über mich und meine Wertschätzung für viele Cessationisten erzählen. Kurz nachdem ich zum Glauben kam, beschäftigte ich mich mit der Apostelgeschichte. Mir fiel auf, dass man so wenig von damals sehen konnte. Auf Nachfrage bei Geschwistern, die ich schätze, wurde mir dazu das Buch „Charismatic Chaos“ von John F. MacArthur ans Herz gelegt. MacArthur kannte ich da schon; er war neben C. H. Spurgeon mein erster Bibellehrer. Ich schätzte (und tue dies auch bis heute) den einfachen, klaren Stil von MacArthur. Umso enttäuschter war ich damals, dass dieser große Mann Gottes in dieser Frage einfach keine überzeugenden Antworten geben konnte. Er sprach zwar manches an, was nicht positiv verlief in der pfingstlich-charismatischen Bewegung, aber gerade auf die Fragen, die ich damals hatte, konnte er keine überzeugende Antwort geben. Jedenfalls blieben viele meiner Fragen offen; außerdem hat mich das Interesse gepackt, über den gemeindlichen Tellerrand hinauszublicken und neue Menschen und Gemeinden kennenzulernen.

So kam ich in den Genuss, verschiedene Veranstaltungen zu besuchen, in welchen einige neue Eindrücke auf mich niederprasselten. Nicht alle waren so völlig positiv; zum Beispiel der Umstand, dass meine (damals noch mittelgradige) Schwerhörigkeit mehrmals als Folge meines Unglaubens bezeichnet wurde, da sie auf Gebete hin nicht einfach verschwand. Oder da waren die Prediger, die an mir verzweifelten, weil ich auch unter starkem Druck von oben auf den Kopf oder an die Stirn nicht einfach nach hinten umfallen wollte. Aber diese Erlebnisse waren nicht einfach nur negativ; vielmehr stärkten sie mein Bewusstsein, dass es überall menschelt, wo Menschen zu finden sind. Viele Menschen, die ich an diesen zahlreichen Orten getroffen habe, wurden zu einem Geschenk für mich, weil sie mich im Glauben weiter brachten.

Und doch bin ich jetzt nicht einfach ein „Conti“, der auf alle „Cessis“ herunterblickt und dankt, nicht so wie die da zu sein. Vielmehr bin ich enorm dankbar, dass es in Gottes Reich, der Gemeinde, eine solche Vielfalt von Menschen gibt, die einander gegenseitig stärken und herausfordern. Was ich an vielen Cessationisten ganz besonders schätze, ist ihre Liebe zur Bibel, Gottes Wort. Einer der häufigsten Vorwürfe, die ein „Conti“ vom „Cessi“ bekommt, lautet: Für euch ist die Bibel zu wenig wertvoll, ihr wollt sie mit neueren Inhalten ergänzen! Dass das nicht stimmt, werde ich später noch aufzeigen, aber eines stimmt mich nachdenklich: Ich würde mir unter uns Pfingstlern und Charismatikern diese Liebe und Hingabe an Gottes Wort wünschen, darin uns viele Cessationisten ein großes Vorbild sein können.

Ein zweiter Punkt, den ich aufzählen möchte, ist der Platz, den die Predigt einnimmt. Für Cessationisten fällt anderes weg, was in unseren Gottesdiensten der Predigt unter Umständen zur Konkurrenz werden kann. Die Wichtigkeit der Predigt ist also etwas, wo wir uns auch eine große Scheibe abschneiden können. Gott sagt uns, dass der Glaube aus der Predigt kommt, und die Predigt aus Gottes Wort, der Bibel. Wenn wir also dem Glauben einen so hohen Stellenwert zusprechen, dann sollten wir das auch der Quelle des Glaubens tun, nämlich der bibeltreuen Predigt. Gott ist nicht gezwungen, auf unsere Predigt zu warten, um jemandem Glauben zu schenken, aber es ist gerade in unseren Breiten, wo die theologische Ausbildung und eine gute Übersetzung der Bibel recht verbreitet vorhanden sind, der Normalfall, dass Gott von uns erwartet, dass wir die von Ihm dazu bestimmten Mittel anwenden.

Nicht zuletzt bin ich aber auch dankbar, dass Cessationisten uns herausfordern, über unser Leben und unsere Veranstaltungen nachzudenken. Manches kann uns als hilfreiches Korrektiv dienen, auch wenn wir nicht alles eins zu eins so annehmen müssen oder können. Insgesamt ist es wichtig, dass man miteinander im Gespräch bleibt und sich auch von hin und wieder polemisch anmutenden Äußerungen nicht ins Bockshorn jagen lässt und damit den Kontakt abbricht. Viele Missverständnisse lassen sich auch in der gemeinsamen Beschäftigung ausräumen, und einiges, was nicht auf Missverständnissen beruht, lässt sich auch einfach ertragen (tolerieren). Vielleicht brauchen wir einfach alle mehr Mut, uns in Frage stellen zu lassen, ohne gleich widersprechen zu müssen. Auch das ist ein wertvolles Lernfeld. Es gibt nämlich tatsächlich einige Praktiken und Lehren in unserer Conti-Bewegung, die klar und deutlich angesprochen werden müssen, weil sie über das hinausgehen, was uns die Bibel sagt. Etwas ausführlicher möchte ich auf solche Dinge eingehen, wenn es um die verschiedenen Argumente geht. 

Insgesamt gesehen gibt es viele Gebiete des täglichen Lebens, in welchen „Cessis“ und „Contis“ gemeinsame Sache machen können. Beide brennen dafür, dass mehr Menschen den Herrn Jesus kennenlernen; und das ist eine gute Sache. Deshalb habe ich auch kein Problem, für die Gemeinden cessationistischer Prägung zu beten, dass sie mit viel Wachstum gesegnet werden. So viel muss an der Stelle gesagt werden. Und nun, liebe Cessationisten, wenn ich euch in den nächsten Teilen zur Rot- oder gar Weißglut treiben sollte, indem ich manche eurer Argumente systematisch zerlege, dann nehmt euch einen Moment Zeit und kehrt zu diesem Post zurück. Ich bin dankbar, dass es euch gibt.


Dienstag, 18. April 2017

Cessationismus und Continuationismus – was ist das?

Bevor ich mich mit einzelnen Argumenten auf beiden Seiten auseinandersetze, möchte ich zunächst die Begrifflichkeiten klären. Es ist nämlich gar nicht so einfach, zu definieren, wer sich wie sieht oder benennen würde. Vielleicht nähern wir uns deshalb am besten der Frage, indem wir sie wie eine Zwiebel angehen und ihr schichtweise die Haut abziehen.

Cessationismus stammt vom lateinischen Verb „cessare“ und bedeutet „zögern, aufhören, nachlassen, ruhen, untätig sein“. Continuationismus stammt vom ebenfalls lateinischen Verb „continuare“ mit der Bedeutung „fortlaufen, fortfahren, aneinander reihen, erweitern, zusammenhängen, fortdauern, andauern“.

Man merkt schon an der Bedeutungsbreite dieser Verben, dass da ein gewisser Spielraum bleibt, was eine Definition betrifft. Nur mal so ein mögliches Beispiel: Man kann darüber streiten, ob der Cessationismus für das vollständige Aufhören oder für das vorübergehende Ruhen einer Sache steht. Diese Unschärfe lässt zu, dass Cessationisten zwischen den beiden möglichen Definitionen hin- und herspringen und sich dabei immer missverstanden fühlen. Ebenso ist es schwierig, zu definieren, ob Continuationisten vom lediglichen Fortdauern ebenjener Sache ausgehen, oder ob sie eine zusätzliche Erweiterung vertreten.

Deshalb ist der nächste Schritt die Eingrenzung der „Sache“. Es geht um die Gaben des Heiligen Geistes, die in den Gabenlisten des Neuen Testaments angesprochen werden – oder zumindest um einen Teil davon. Gabenlisten finden sich in Römer 12, 1. Korinther 12, Epheser 4 und 1. Petrus 4, wobei wiederum je nach Definition zum Teil nur die ersten zwei oder drei der genannten Kapitel tatsächlich als Gabenlisten anerkannt werden. Ebenso vertreten viele beider Lager die Ansicht, dass all diese Listen zusammen nur ein kleines Spektrum aller möglichen Gaben abbilden, das heißt, dass es unerwähnterweise noch weitere gibt.

Es gibt dabei zwei weitere unabhängige Unterscheidungen, welche die ganze Diskussion noch etwas komplizierter machen: Die Unterscheidung zwischen „natürlich“ vs „übernatürlich“ und die Unterscheidung zwischen „Gabe“ vs „Vorsehung“. Das bedarf einer näheren Erklärung. Die Unterscheidung zwischen natürlichen und übernatürlichen Gaben geht dabei eigentlich darauf zurück, dass jeder Mensch bestimmte Stärken hat, die ihm leichter fallen. Mir persönlich fällt es zum Beispiel leicht, Sprachen zu lernen und anzuwenden. Ob man das nun als Gabe des Heiligen Geistes bezeichnen soll oder nicht, lasse ich für den Moment dahingestellt. Es gibt Dinge, die der Mensch lernen kann. Auch diese zählen in dem Fall zu den „natürlichen Gaben“. Aber Dinge, die unser menschliches Können und Wissen übersteigen, werden bei dieser Unterscheidung zu den „übernatürlichen Gaben“ gezählt. Also Dinge über eine Person zu wissen, die sonst keiner auf natürliche Weise wissen kann.

Dabei stellt sich aber schon eine weitere Frage: Könnte es nicht sein, dass alles, was innerhalb der natürlichen Schöpfung passiert, einfach nur natürlich sein? Sind Engel etwa übernatürliche Wesen, nur weil sie üblicherweise nicht gesehen werden? Fragen über Fragen, auf die ich in einem späteren Teil noch eingehen möchte.

Die zweite Unterscheidung betrifft „Gaben vs Vorsehung“. Hinter diesem Konzept steckt die Idee, dass eine Gabe etwas so Starkes ist, dass der Begabte mit seiner Gabe so gut wie alles machen kann, was er will. Wer die Gabe der Heilung habe, so dieses Konzept, könne ganze Krankenhäuser arbeitslos machen. Wer hingegen hin und wieder einzelne Heilungen erlebt, da sei das „nur Vorsehung“, das heißt Gottes gnädiges Eingreifen auf ein Gebet hin, aber keine „richtige Gabe“. Mit dieser Vorsehung dürfe jeder rechnen und deshalb auch dafür beten.

Sonntag, 16. April 2017

Sollte Gott wirklich gesagt haben...?

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der HERR gemacht hatte; und sie sprach zum Theologiestudenten: Sollte Gott wirklich gesagt haben, dass ihr die Bibel auf keine Art und Weise interpretieren dürft? Da sprach der Theologiestudent zu der Schlange: Auf alle möglichen Arten dürfen wir die Bibel interpretieren, nur bei der einen Art, bei welcher die Bibel nicht wortwörtlich als Gottes Wort betrachtet wird, hat Gott gesagt: Übt euch nicht darin, sonst werdet ihr ins Zweifeln kommen und Mein Wort verfälschen! Da sprach die Schlange zum Theologiestudenten: Keineswegs werdet ihr sie damit verfälschen! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr euch ihr hingebt, werden euch die Augen geöffnet und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was in der Bibel Gottes Wort und was nur Menschenwort ist! Ihr werdet erkennen, dass die Bibel mit der Literarkritik und der Redaktionskritik, mit der vergleichenden Religionsgeschichte und Überlieferungsgeschichte im Hinterkopf gelesen viel spannender sein wird – und das Ergebnis wird euch besser gefallen! Und der Theologiestudent sah, dass diese Methoden ganz nach seinem Geschmack waren, dass sie eine Freude für seinen unabhängigen Intellekt wären, weil sie weise machen, und er nahm sie auf, lieferte sich ihnen aus und gab seiner Gemeinde, damit diese dasselbe täte, und sie tat es. 

Mit dem Campingbus bis Australien

Blum, Bruno, Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien, Delius Klasing Verlag, 2017, Amazon-Link

Bruno Blum ist mit seiner Freundin unterwegs im Campingbus. 2,5 Jahre haben sie Zeit. Ihr Ziel: Australien. Über viele spannende Erlebnisse berichtet Blum in diesem Buch, auch angereichert mit weiteren, gut recherchierten Infos. Etwa über die Entstehung der Seide und ähnliches. Immer wieder werden sie angehalten, besonders in den ehemaligen Sowjet-Staaten versuchen Polizisten ihren mageren Lohn aufzubessern, indem sie die Touristen finanziell melken. Aber auch viel Gastfreundschaft dürfen sie erleben und werden auf ihrer Reise immer wieder eingeladen, bei Einheimischen ihre Zeit zu verbringen und die verschiedenen Kulturen kennenzulernen. Schon die Motivation für das Reisen finde ich interessant: „Für mich besteht die Faszination zuallererst darin, keinen alltäglichen Verpflichtungen und gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt zu sein. Ungebunden und weit weg von zu Hause fühlt man sich so ungemein lebendig. Man lebt ohne Vergangenheit oder Zukunft; was zählt, ist einzig der Moment. Das Ziel liegt nicht im Ankommen, sondern im Unterwegssein, in der vorüberziehenden Landschaft mit all ihren Farben und Formen und dem Ungewissen, das hinter der nächsten Kurve wartet.“ (S. 8) Für Blum ist das Reisen zu einer „Sucht“ (ebd.) geworden. Ich würde hinzufügen: Es ist auch eine Flucht vor sich selbst; eine Flucht vor der Vergangenheit und der Zukunft, eine Flucht vor Verantwortung.

Das Buch selbst ist mit zahlreichen Bildern versehen und wirklich sehr schön geworden. Fast auf jeder Seite findet sich zumindest ein kleineres Bild, auch gibt es immer wieder doppelseitige Landschaftsaufnahmen von atemberaubender Schönheit. Geschrieben ist es sehr persönlich und spannend, aber auch recht kurz gefasst; fast könnte man sagen: Die 2,5 Jahre sind in enorm komprimierter Form zusammengestellt, aber doch insgesamt in einer stimmigen Form. Es wird nicht jedermanns Sache sein, aber wer Reiseberichte und schöne Bilder in einer hochwertigen Zusammenstellung mag, wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen.

Dienstag, 11. April 2017

Beobachtung: Der Schulferienblues

Wie wir es vormittags hin und wieder machen, bin ich mit unserem Sohn in die Bäckerei gesessen, und wir haben dort unseren Kaffee (ich) und eine Brezel (hauptsächlich er) genossen. Zur Zeit sind Schulferien, und dann ist die Bäckerei immer gut gefüllt. Während der Sohnemann genüsslich seine Brezel isst, werfe ich einen Blick um mich. Unverkennbar sind da mehrere Elternteile mit ihren Kindern da, deren Nachwuchs ansonsten bestimmt die Schule besuchen würde, wären da nicht gerade eben diese Ferien. Die Stimmung ist gedrückt; in einer Ecke sitzen vier junge Mütter mit ihren Kleinkindern, die Mütter fröhlich ins Gespräch vertieft. Doch an einigen Tischen ist eisiges Schweigen geradezu spürbar. Blicke versuchen sich gegenseitig auszuweichen. Keiner traut sich, ein Smartphone oder ähnliches aus der Tasche zu ziehen, sondern es scheint die ungeschriebene Regel zu gelten: Möglichst immer Aufmerksamkeit schenken und dabei dem andern den Gesprächsbeginn zu überlassen. Irgendwie wollte aber in einigen Fällen kein Gespräch in Gang kommen. Die genauen Gründe der Einzelfälle kenne ich dabei nun wirklich nicht, aber etwas wird sichtbar: Es handelt sich um eine Entfremdung der Generationen. Man hat einander nichts zu sagen, nichts zu erzählen, kein wirkliches Interesse aneinander. Jeder tut so gut es geht seine allernötigste Pflicht füreinander, aber was darüber hinausgeht, wird an die Öffentlichkeit abgeschoben: Bildung, Interesse, Verständnis, körperliche Betätigung, und so weiter. Dafür ist die Schule da, die sich dann möglichst ganztags um den Nachwuchs kümmern soll. Dafür gibt es den Freundeskreis und die Vereine für die Freizeit. Schulferien werden als lästiges Zeitvertreiben betrachtet, in dem man halt „was machen muss“, wenn man schon nicht in allen Ferien ins Ausland fahren kann.

Mich beschleicht ein beklemmendes Gefühl. Ich denke an Maleachi, der von Gott ein Versprechen bekommen hat: Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, ehe der große und furchtbare Tag des HERRN kommt; und er wird das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder wieder ihren Vätern zuwenden, damit ich bei meinem Kommen das Land nicht mit dem Bann schlagen muss! (Mal. 3, 23 – 24) Das sind die letzten Worte, die in unserem AT stehen, bevor dann mit Matthäus das allerletzte Wort Gottes beginnt. Der Prophet Elia, von dem Maleachi spricht, ist Jesus Christus, und ER ist es, den wir alle so nötig brauchen, damit unsere Herzen denen unserer Kinder zugewandt werden. Das treibt mich ins Gebet, und ich hoffe, dass Gott noch ganz viele von diesen Eltern und Kindern zu Sich zieht, und von Seiner Herrlichkeit überzeugt. Und ich bete auch, dass ich es eines Tages besser machen werde, wenn unser Sohn in diesem Alter ist und gerade Schulferien sind.


Montag, 10. April 2017

Vorwort zu „Francis Schaeffer für eine neue Generation“

Für das Buch von Hanniel Strebel über Francis Schaeffer durfte ich das Vorwort verfassen. Strebel, Hanniel, Francis Schaeffer für eine neue Generation, Folgen Verlag, 2017, eBook, Link

Eine der zahlreichen Personen, welche ich gerne kennengelernt hätte, ist Francis August Schaeffer. Leider war er, als ich im Sommer 1985 zur Welt kam, bereits seit 14 Monaten tot. Aber in seinen Schriften hat er einen reichen Schatz an Weisheit hinterlassen, für den ich sehr dankbar bin. Meine und die nachfolgenden Generationen dürfen von diesem Schatz zehren. Doch leider ist sein Werk schon heute nicht mehr so bekannt wie es sein sollte. Deshalb bin ich Hanniel Strebel sehr dankbar, dass er versucht, diesem Mangel entgegenzuwirken.
Eine Facette von Francis Schaeffers Leben und Werk möchte ich aufgreifen, weil sie mir sehr wichtig geworden ist. Auf dem christlichen Büchermarkt gibt es immer mehr Bücher von Menschen, welche ihre Zweifel am Glauben vermarkten wollen. Es ist klar, dass man sich damit Gehör verschaffen und provozieren kann. Interviews sind interessanter, wenn dabei kontrovers diskutiert wird. Solche Bücher und Personen heben sich in der schieren Menge der neuen Titel ab, da sie eben in Zweifel ziehen, was das Christentum seit vielen Jahrhunderten lehrt. Und nun ist es so, dass die Leser dieser Bücher auch eine ganze Menge lernen: Sie lernen eine Person kennen, die keine besseren Antworten auf ihre Fragen gefunden hat, als eben jene Zweifel. Sie lernen, dass das Zweifeln eine Tugend sei, weil es angeblich zu mehr Authentizität oder Echtheit führen würde.
Francis Schaeffer war ein Mann, dem Zweifel vertraut waren. Auch er hatte eine längere Krise des Glaubens. Doch im Gegensatz zu den heutigen Zweiflern wusste er noch, wie man mit Zweifeln ehrlich umgeht. Er war bereit, seinen ganzen Glauben in die Waagschale zu werfen. Er war früher Agnostiker und war bereit, dorthin zurückzukehren, wenn er seine Zweifel nicht ausräumen konnte. Er ging in dieser Zeit die gesamte Grundlage des christlichen Glaubens durch und kam zum Schluss, dass die Bibel vollkommene Wahrheit ist. Dieser Mut fehlt den heutigen Zweiflern zu oft und so verschanzen sie sich in einem „progressiven“, also angeblich „fortgeschritteneren“ Glauben. Viele dieser gesellschaftlichen Veränderungen hatte Francis Schaeffer mit geradezu prophetischem Scharfblick vorhergesehen und mit großer Liebe und Klarheit angesprochen. Deshalb möchte ich dieses Buch von Hanniel Strebel als kurze Einführung, aber auch das gesamte Werk von Schaeffer meinen geistlichen Geschwistern aller Denominationen und Konfessionen ans Herz legen. Möge Schaeffers schriftlicher Schatz einen wichtigen Platz in unseren Gemeinden und Kirchen einnehmen und uns alle stärken und zu mündigen Geschwistern machen.

Jonas Erne, lic. theol., Gemeindereferent, Blogger

Sonntag, 9. April 2017

Wo bleibt das Band der Liebe?

Nicht nur mir, auch einigen älteren, weiseren Freunden ist es immer wieder aufgefallen, wie sehr unsere Zeit unter Gespaltenheit und Lieblosigkeit leidet. Es scheint das Symptom des Zeitgeistes zu sein. Wohin man hört und sieht, überall ist Gleichgültigkeit bis hin zu offenem Hass zu finden. Es ist eine Zeit der Lautstärke, in welcher jeder versucht, alle zu übertönen, die ihm nicht zustimmen. Besonders deutlich wird das in den asozialen Medien, die sowieso schon von der „sichtbaren Lautstärke“ leben. Möglichst groß, krass, sichtbar, abwertend, etc. Ich möchte im Folgenden ein paar Überlegungen anstellen, wie es zu diesem Phänomen gekommen ist und welche weiteren Wege denkbar sind.

Es ist eigentlich ein sehr widersprüchliches Phänomen: Auf der einen Seite führt der Glaube an die grenzenlose Perfektibilität des Menschen, der vom „American Dream“ stammt, zum Denken, dass jeder sich selbst verbessern kann. Dies wiederum zeigt sich darin, dass der Mensch sich häufig als Maschine sieht – und entsprechend auch von der Wirtschaft so eingesetzt wird. Der Einzelne ist nur noch das schwächste Glied der Maschine; der Arbeiter will nur noch durchhalten, um nachher Freizeit zu haben, und dann wird die Freizeitgestaltung auch wieder nur von einer Freizeitmaschinerie und Konsumindustrie bestimmt.

Auf der anderen Seite regiert das Gefühl. Wo aber das Gefühl die Macht in den Händen hält, wird jeder Widerspruch gleich persönlich verstanden. Wenn mein Gefühl der King des Lebens ist und Du mir widersprichst, dann hast Du etwas gegen mich persönlich gesagt. So wird das empfunden. Und wenn das jemand so empfindet, dann fühlt man sich auch sofort berechtigt, die andere Person persönlich anzugreifen und fertigzumachen. Dass es da einen enormen Unterschied zwischen Person und Meinung gibt, nehmen viele Menschen nicht mehr wahr.

Der Einzelne, welcher sich persönlich angegriffen fühlt, sucht meist nicht den Kontakt, um sich darüber auszutauschen, warum die andere Person diese gegensätzliche Meinung vertreten hat, sondern zieht sich in sein Ghetto zurück, zu denen, die derselben Meinung sind wie sie selbst auch. Wie das online geschieht, habe ich hier (Link) geschrieben. Oft besteht das darin, dass man Menschen anderer Meinung aus der Freundesliste löscht oder „entfolgt“ (Twitter). Ich habe noch nie jemanden wegen seiner Sichtweise gelöscht, und habe auch nicht vor, das je zu tun. Warum? Weil ich mir der Gefahr des Ghettos und meiner menschlichen Schwäche bewusst bin und weiß, dass ich (und jeder andere auch) Widerstand, verschiedene Sichtweisen, Vielfalt brauche, um gesund wachsen zu können.

Angst ist ein schlechter Berater, und meist ist es Angst davor, angegriffen oder in Frage gestellt zu werden, was Menschen in ihre „Ghettos“ treibt. Wenn Menschen sich ihres Werts unsicher sind, suchen sie häufig nur Bestätigung unter ihresgleichen. Sie tun alles, um Kritik und anderen Meinungen auszuweichen, denn so richtig wohlig fühlt man sich in dem Fall nur unter Menschen, die die eigene Sicht teilen und loben. Wer sie nicht teilt, muss entweder unwissend oder voll Hass sein, so ist die Vorstellung in diesem Fall. Dass man auch mit demselben Hintergrundwissen zu ganz anderen Schlüssen oder zu anderen Präferenzen kommen kann, wird meist ausgeblendet.

Die exzessive Verwendung der neueren Medien spielt auch noch mit hinein. Sie sind nun keinesfalls für diese Entwicklung verantwortlich im Sinne von schuldig, aber sie erleichtern die Bildung von wohlig-kuschligen Ghettos Gleichgesinnter und zugleich das technische Blockieren aller anderen Sichtweisen. Wer im Supermarkt einkaufen geht, wird unter den übrigen Kunden bestimmt eine Vielzahl von Sichtweisen treffen können, doch wer nur mit sich selbst beschäftigt ist und mit dem eigenen „Ghetto“, wird unfähig, sich auf diese anderen Meinungen einzulassen, sie mal zu überdenken und von ihnen profitieren zu versuchen. Darüber habe ich übrigens hier (Link) geschrieben. In den asozialen Medien hat jeder selbst die Verantwortung, sich seine Kontakte zu wählen, und viele Menschen suchen sich bewusst gleichdenkende Kontakte aus. Das führt wieder zu dieser digitalen Art von „Gated Communities“.

Im Folgenden eine Reihe von Fragen, die mir helfen (zumindest hoffe ich das), nicht nur mit den neuen Medien, sondern grundsätzlich auch mit mir entgegengesetzten Meinungen umzugehen und das alles überwinden könnende Band der Liebe aufrecht zu erhalten:

  • Wie fühle ich mich, wenn mir jemand widerspricht? Kann ich meine Sicht von meiner Persönlichkeit von meiner Meinung trennen oder fühle ich mich dann angegriffen?
  • Was mache ich, wenn mir jemand widerspricht, reflexartig als Erstes? Bete ich für diese Person, die mir widerspricht? Bete ich dafür, die Wahrheit zu erfahren?
  • Wie gut kann ich damit umgehen, eine Woche lang online nicht erreichbar zu sein? Fühle ich mich dadurch abgewertet oder habe ich Angst, etwas Wichtiges zu verpassen?
  • Wie geht es mir, wenn ich fünf Minuten lang nur still bin, ohne über etwas nachzudenken und ohne Ablenkung?
  • Wann habe ich zuletzt ein Buch gelesen, dem ich in den allermeisten Punkten widersprechen musste? Was habe ich dennoch davon mitnehmen können?
  • Wie sehe ich Menschen, die anderer Meinung sind? Kann ich sie als vollwertige Geschöpfe Gottes erkennen und eine ganze Menge über unseren Schöpfer von ihnen lernen?
  • Wie geht es mir, wenn ein Hype oder Shitstorm viral wird? Lasse ich mich davon mitreißen? Mache ich mit, wenn es nur darum geht, jemanden fertigzumachen?
  • Wann habe ich Gott zuletzt dafür DANKE gesagt, dass Menschen so verschieden sind und mir dadurch auch helfen, die Wahrheit noch besser zu verstehen?
  • Bete ich regelmäßig für die Menschen, die anderer Meinung sind und segne sie, statt (nur) Gott zu bitten, ihre Meinung zu ändern?
  • Was finde ich in der Bibel für Hinweise, die mir helfen, meine Gottes- und Nächstenliebe am Brennen zu erhalten?


Freitag, 7. April 2017

Buchtipp: Francis Schaeffer für eine neue Generation

Strebel, Hanniel, Francis Schaeffer für eine neue Generation, Folgen Verlag, 2017, eBook, Link

Francis Schaeffer, der Mann, der vor bald 33 Jahren gestorben ist, der davor in den Schweizer Alpen ein Glaubenswerk aufgebaut hat, das weltweit viel Frucht gebracht hat, von dem tausende von jungen Menschen auf der Suche profitiert haben. Dieser Mann, der mir in vielen Dingen ein Vorbild ist, wird im neuen Buch von Hanniel Strebel „Francis Schaeffer für eine neue Generation“ vorgestellt. Schaeffer war ein sehr feinfühliger Mann, der mit scharfem Intellekt, einem Gespür für das Wesentliche und einer riesigen Portion Nächstenliebe den Studenten und Besuchern half, den christlichen Glauben lebensnah zu entdecken. Er wusste, was Glaubenskrisen und Zweifel sind, da er sie am eigenen Leib erfahren hatte. In seinem kurzen Buch stellt Hanniel das Leben und Wirken, aber auch die Bücher vor, die Schaeffer geschrieben hatte. Für die meisten von uns sind die Bücher der einzige Zugang zu Schaeffer; es sei denn, wir kommen mit den von ihm geprägten ehemaligen Studenten in Kontakt.

Ich finde die Idee, die hinter der Buchserie steckt, sehr wertvoll. Der Autor stellt verschiedene wichtige christliche Denker vor. Im ersten Band C. S. Lewis, in einem späteren Band soll etwa auch J. I. Packer vorgestellt werden. Es geht darum, dass dies in jeweils einem kurzen Band geschehen soll, der in einer Sitzung gelesen werden kann.

Ich bete, dass Gott uns neue Denker wie Lewis und Schaeffer schenkt, die auch der neuen Generation ins Leben sprechen können, sie verstehen und auf die Widersprüche in ihrem Denken aufmerksam machen können. In aller Geduld und Liebe, aber auch in aller nötigen Deutlichkeit. Möge unserer Generation das Buch von Hanniel zu einem solchen Segen werden und uns zu dem zurückrufen, was uns Schaeffer schon vor vielen Jahren zu sagen hatte.